Zyklusorientiertes Arbeiten: Was es bedeutet und warum es im Arbeitsalltag wichtig ist

Zyklusorientiertes Arbeiten: Was es bedeutet und warum es im Arbeitsalltag wichtig ist

Der klassische, lineare Arbeitsalltag ist nicht für Menstruierende gemacht. Denn der Zyklus beeinflusst, wie viel Energie und Kapazität für Aufgaben zur Verfügung stehen. Das heißt nicht, dass Menstruierende nicht arbeiten sollten, sondern dass es einfach einem Umdenken bedarf – immerhin menstruieren rund die Hälfte der Personen im arbeitsfähigen Alter.

Warum ist der Zyklus und vor allem die Menstruation dann noch immer ein Tabu? Weil sich Frauen in der Vergangenheit sehr viele Rechte erkämpfen mussten – unter anderem das Recht, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Um dieses Recht zu behalten, wurden Unterschiede im Sinne der Leistung stillschweigend akzeptiert. Wir sind nun an einen Punkt gelangt, an dem es an offener Kommunikation und einer strukturellen Verankerung im Gesundheitsangebot bedarf, da sie Hand in Hand mit Stress und Arbeit geht.

Was bedeutet zyklusorientiertes Arbeiten?

Viele fokussieren sich nur auf einen Teil des Zyklus: die Menstruation. Sie ist die sichtbarste Phase und auch jene, mit der wir als erstes konfrontiert werden. Dabei besteht der Zyklus aus vier Phasen, die alle ihre eigenen Stärken mit sich bringen.

Die Menstruation bildet den Start des Zyklus – der Körper richtet den Fokus nach innen und Strukturarbeit sowie Routinetätigkeiten fallen hier besonders leicht.
Darauf folgt die Follikelphase, die neue Energie mit sich bringt – hier bietet es sich an, neue Projekte zu starten oder kreative Tätigkeiten in Angriff zu nehmen.
Der Eisprung bildet oft die Mitte des Zyklus – Kontaktfreude und Kommunikation sind hier stark ausgeprägt, was optimale Voraussetzungen für Präsentationen, Gehaltsverhandlungen oder auch Vorstellungsgespräche bietet.
Den Abschluss bildet die Lutealphase, in der sich der Fokus wieder nach innen richtet – Planung und Organisationsarbeiten fallen hier oft leichter.

Dennoch ist zu berücksichtigen, dass der Zyklus so individuell ist, wie es auch Menschen sind. Wir haben alle unterschiedliche Stärken und Herausforderungen, die auch im Zyklus relevant sind. Eine Person mit Organisationstalent favorisiert eventuell die Lutealphase im Gegensatz zu einer kontaktfreudigen Person, die die Follikelphase präferiert. Wichtig ist, für sich selbst zu erkennen, wo die eigenen Stärken liegen und wie sie sich im Zyklus verändern.

Wie wirkt sich der Zyklus auf Arbeit aus?

Am einfachsten lässt sich die Energieverteilung beobachten. Warum sprechen wir hier von Verteilung? Weil sich die Energie im Zyklus per se nicht verändert, sondern lediglich wie sie aufgeteilt wird. In der Lutealphase und Menstruation richtet sich ein großer Teil der verfügbaren Energie nach innen, da der Körper im Hintergrund stark arbeitet und somit weniger für andere Aufgaben zur Verfügung steht.

Wenn Arbeit so organisiert ist, als gäbe es keine Umverteilung im Laufe des Zyklus, belastet das nicht nur die Gesundheit von Menstruierenden, sondern auch die Arbeit in Teams und im weitesten Sinn unsere Erwartungen an Leistungsfähigkeit. Denn auch Personen ohne Zyklus haben nicht jeden Tag dieselben Voraussetzungen. Wenn wir Leistungsfähigkeit als Ergebnis der heute verfügbaren Energie im Zusammenspiel mit Motivation sehen, wird der Arbeitsalltag realistischer. Dabei unterscheiden wir

  • die Motivation als Willen, etwas zu tun,
  • die Energie als die Fähigkeit, diesen Willen umzusetzen,
  • und die Leistung als das Ergebnis, was nach außen sichtbar wird.

Wenn wir also immer von derselben Leistung ausgehen, gehen wir auch immer von derselben Energieverfügbarkeit aus, was nicht realistisch ist.

Warum zyklusorientiertes Arbeiten alle betrifft

Viele Organisationen setzen schon auf Präventionsmaßnahmen für mentale und körperliche Gesundheit. Was aber noch vielerorts fehlt, ist den Zyklus als Teil der Gesundheit zu betrachten. Stress, unregelmäßige Schlafrhythmen und ungeregelte Ernährungsgewohnheiten beeinflussen den Zyklus direkt – vieles davon hängt von den Arbeitsgewohnheiten ab. Lange und intensive Arbeitstage beeinflussen nicht nur Stress, sondern auch den Zyklus. Hier liegt es in der Mitverantwortung von Unternehmen, den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass Mitarbeitende auf das eigene Wohlbefinden achten können. Genauso wie Burnout-Prävention ist auch Zykluskompetenz Krankheitsprävention und somit kein reines „Privatthema“.

Nachdem es keine Geschlechtertrennung an Arbeitsplätzen gibt, betrifft das Thema direkt oder indirekt alle Mitarbeitenden. Ob es Planungen und Arbeitsverteilungen im Team sind oder einfach nur die Kommunikation untereinander. Ein respektvoller Umgang mit Zyklus am Arbeitsplatz begünstigt am Ende alle.

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